Die Göste aus Deutschland: Rosa Fava aus Hamburg, Dr. Eckart Dietzfelbinger aus Nürnberg, Dr. Hans-Joachim Götz, Deutscher Botschafter in Slowenien und Tone Kristan, präsident Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-45 Kranj (von Rechts)


Festredner: Dr. Matjaž Kmecl


Verleihen der Ehrenmitglied Plackete der Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-45 Kranj an Frau Rosa Fava und Herr Dr. Eckart Dietzfelbinger


kako obvešèamo nemško javnost | Feier des 10-jährigen Jubiläums der Vereinigung  

  FEIER DES 10-JÄHRIGEN JUBILÄUMS DER VEREINIGUNG

Am 15. September 2007 feierte die Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-1945 Kranj ihre 10-jährige Tätigkeit

An der Feier nahmen, neben den Mitgliedern der Vereinigung, noch einige geladene Gäste teil: Der Botschafter der BRD in Ljubljana, Dr. Hans-Joachim Götz, der Bürgermeister der Stadt Kranj, Dr. Damijan Perne, der Präsident der Vereinigung der Kämpfer für die Werte des nationalen Freiheitskampfes (NOB) Kranj, Herr Andrej Babiè und die Gäste aus dem Ausland: Fava Rosa und Swen Jacobs, die Vertreter des Museums Neuengamme (Hamburg) und Dr. Eckart Dietzfelbinger, der Verträter des Dokumentationszentrums Nürnberg.

Nach der Begrüßungsrede des Präsidenten der Vereinigung, Herrn Tone Kristan, wurden die Anwesenden noch von Dr. Damijan Perne, dem Bürgermeister der Stadt Kranj, begrüßt.
Der Festredner war Dr. Matjaž Kmecl.
Der Präsident der Vereinigung hat in seinem Bericht den zurückgelegten Weg der letzten 10 Jahre vorgestellt, der sowohl von Erfolgen als auch von Misserfolgen begeleitet wurde.

Es folgte ein Kulturprogramm, in dem die folgenden drei Mitglieder der Vereinigung einen Vortrag hielten: Albinca Miheliè, Vida Kunèiè und Vera Štrukelj. Für Abwechslung sorgte der Chor "Nkol ni prepozn", der mit seinen schönen Liedern eine nette Atmosphare schaffte.

Bei dieser Gelegenheit wurden drei Auszeichnungen verleiht:
1. EHRENMITGLIEDER DER VEREINIGUNG wurden Fava Rosa und Dr. Eckart Dietzfelbinger,
2. EINE EHRENAUSZEICHNUNG bekam Franc Rovan,
3. EINE EHRENAUSZEICHNUNG UND EIN ÖFFENTLICHES DANKESCHÖN bekam Tone Kristan.


B E R I C H T
über die Arbeit und Entwicklung der Organisation in den ersten 10 Jahren

Auf Grund des Rechts Entschädigungen für slowenische Nazifaschismusopfer von den Okkupationsnachfolgern zu fordern entstand am 21. August 1997 Die Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-1945 Kranj.

Das war nötig, wenn wir wenigstens versuchen wollten ein Teil der Entschädigungen zu bekommen. Diese Arbeit wollte keine Regierung und keine Organisation übernehmen, die Nazifaschismusopfer verbindet.

Als alle Formalitäten geklärt waren, begannen wir mit der Zusammensetzung der Forderungen nach Entschädigung. Der Schadensersatzanspruch für die BRD wurde am 8 Januar 1998 fertig gestellt und abgesandt .
Ebenso wurde ein Entschädigungsanspruch für die italienische Regierung am 22. September 1998 fertig gestellt und abgesandt, nur gab es keine Möglichkeit sich mit ihrer Antwort zu beschäftigen.

Als die deutschen Behörden den Anspruch bekamen, löste das eine regelrechte Panik aus. Alle Vertreter waren damit beschäftigt uns zu erzählen, wie sie bereits alles Jugoslawien züruckgezahlt haben. Sie wollten uns auch davon überzeugen, dass ein Kredit auch eine Art von Entschädigung ist, weil wir ja mit Hilfe dieses Kredits verschiedene Gebäude und Infrastrukturen aufgebaut haben.
Sie wollten aber von persönlichen Entschädigungen für die durchlebte Hölle und die zerstörten und gestohlenen persönlichen Sachen nichts wissen und waren auf einem Ohr taub. Wir konnten aber alle Ausreden und Tatsachen, wie sie sie dargestellt haben, wiederlegen.

Weil die Lösung unseres Problems nicht voranschreitete, haben wir die Sache im Mai 1999 dem zuständigen Gericht in Bonn übergeben, mit der Forderung nach einer kostenlosen Verhandlung. Diese Forderung wurden dann von einem zuständigen Gericht zum anderen hin und her geschickt bis letztendlich das Verfassungsgerich die Forderung ablehnte. Ein Gericht würde für die Behandlung unserer Sache 860.000,00 DM benötigen, ein anderes für die gleiche Sache 21 Mio DM .

In der Zwischenzeit versuchten wir mit der Regierung der BRD in Kontakt zu treten (es kam zu einem kurzen Treffen am 5. Mai 1998 in Ljubljana).

Wie mit der Regierung, waren wir auch mit anderen Institutionen im städigen Kontakt. Mit den Verträtern der Komission für Petitionen im Bundestag kam es am 7. Juni 2000 zu einem kurzen Treffen in Berlin.
Auf Druck der Juden und der Vereinigten Staaten, wurde das Gesetz Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" erlassen. Die slowenischen Opfer, mit der Ausnahme der KZ Lagerinsassen, wurden im Gesetz gar nicht erwähnt .

Wir reichten für den Gesetzesentwurf ein paar Amandmans ein, die aber nicht angenommen wurden.

Entschädigungen bekamen dem Gesetz nach nur KZ-Insassen und in privater Absprache auch ein paar Vertriebene, die die nötigen Papire dafür hatten.
Wir versuchten über unseren Antwalt eine Gesetzesänderung zu erreichen, die uns aber leider nicht gelungen ist.

Dem Gesetz nach ist es auch nicht mehr möglich Schadensersatzanspruch einzureichen. Deshalb versuchen wir mit dem Team der Gesellschaft für bürgerliche Rechte aus Köln diese Bestimmung zu annulieren und allen Opfer ein lebenslanges Recht für die Einreichung von Schadensersatzanspruch zu ermöglichen (die erste Forderung wurde abgelehnt, die haben Einspruch eingelegt, der aber noch ungelößt ist).

Der Druck auf die Regierung und den Bundestag nimmt zu. Die Abgeordnete des Bundestags Frau Ulla Jelpke hat im Juli 2006 unter den 16 Frage zu den Entschädigungen der Nazismusopfer auch zwei Fragen zu den slowenischen Opfern und deren Entschädigungen gestellt.
Die Antwort der Regierung war arrogant und demütigend sowie voller Unwahrheiten. Weil sie die Meinung unserer feigen Regierung kennen, können sie sich das auch erlauben.
Wir schickten ihnen eine angemessne Antwort. Wir versuchen nun mit unseren deutschen Freunden neue Pläne zu schmieden, wie man das Eis durchbrechen könnte.

Ein erneuter Versuch die deutschen Behörden unter Druck zu setzen war ein offener Brief vom 8. Januar 2004, wo wir unsere Forderungen nach Entschädigung mit handfesten Beweisen untermauerten. Leider bekamen wir nie eine Antwort auf diesen Brief.

Wir haben am 15. Januar 2007 eine Beschwerde gegen die BRD beim Europäischen Parlament eingelegt, weil sie den slowenischen Opfern keine Entschädigung zahlen will. Die Beschwerde wurde abgelehnt.
Bereits ein Jahr zuvor haben wir den slowenischen Abgeordenten im Europäischen Parlament einen Brief geschrieben und sie um Hilfe gebeten, um vielleicht leichter
etwas zu erreichen, aber wir bekamen sogar auf einen weiteren Brief keine Antwort. Deswegen haben wir Abgeordnete anderer Länder um Hilfe gebeten.

Unabhängig davon, wie das Problem gelößt wird, ist das Verhalten von Leuten, die slowenische Wähler ins höchste europäische Staatsorgan wählten, wo sie nichts tun und sie die Menschen, die sie dorthin brachten, nicht mehr interessieren, fast schon arrogant. Den Höhepunkt des Zynismus stellt einer der Abgeordneten dar, der Staatspräsident werden will und sie bei den Wählern im ganzen Land "einschleimt".

Ich hoffe, das die Mehrheit der Wähler ihm das nicht abkauft. Für alle anderen gilt: Die nächste Wahl kommt bestimmt.


Informierung der deutschen Öffentlichkeit und der Behörden:

1.
Zuerst haben zwei Freunde und Unterstützer aus Nürnberg eine Website für den deutschen Sprachraum eingerichtet. Auf der Seite begannen wir unsere Beiträge über die Problematik und die Schwierigkeiten bei den Forderungen nach Entschädigung für slowenische Opfer des Nazismus von der Regierung der BRD zu veröffentlichen. Die Reaktionen aus verschiedenen Kreisen waren ausführlich und positiv.
2.
Auf Grund dieser Zusammenarbeit kam die Idee zur Austragung eines SYMPOSIUMS zum Thema "ZUR VERNICHTUNG VERURTEILT" und über das Leiden des slowenischen Folkes in der Zeit der nazistischen Okkupation von 1941-1945. Das Symposium wurde am 23. November 2003 im Dokumentationszentrum Nürnberg ausgetragen und war ein voller Erfolg.
3.
Auf Grund eines überaus gelungenen Symposiums kam die Idee, ein Buch über diese Thematik für den deutschen Raum zu veröffentlichen. Die Arbeit begann, es wurde viel Material gesammelt und Texte wurden zusammengestellt. Die Aktion verlangt eine engagierte Arbeit, vor allem deswegen, weil nicht viele bereit sind freiwillg zu arbeiten.
Das Buch "Entrechtung, Vertreibung, Mord" umfasst 348 Seiten und ist in einer Auflage von 800 Exemplaren erschienen, mit Hilfe des Verlags METROPOL Berlin. Die Vorstellung des Buchs war am 3. April 2005 im Rathaus von Nürnberg. Es wurde sehr positiv empfangen, weil es als einziges Buch auf dem deutschen Markt diese Thematik behandelt.
4.
Auch die Gemeinde Marburg veröffentlichte ein Buch über die Zeit des
Nationalsozialismus und die damaligen Geschehnise. Bei der Entstehung des Buchs habe ich aktiv mitgewirkt mit zahlreichen Beiträgen über Daten und Ereignise. In dem Buch ist auch ein Beitrag einer slowenischen Vertriebenen, die die damaligen Zustände in Marburg, wo sie arbeitete, schildert.
5.
Wir wirken aktiv bei der Herausgabe einer Zeitschrift aus Nürnberg für den bayrischen Raum mit.
6.
Im Rahmen der Ausstellung im Museum KZ Neuengamme Hamburg, ist es uns gelungen mit Hilfe unserer Freunde aus Hamburg, einen kleinen Teil der
Ausstellung, neben den KZ - Heftlinge, auch dem allgemeinen Leiden des slowenischen Folkes zu widmen .
Gerade wird über eine Ausstellung mit ausschließlich diesem Thema verhandelt.
7.
Im Mai 2007 wurde in der Stadt Wernigerode im Harz eine ausführliche Ausstellung und ein Symposium zum Thema "ZUR VERNICHTUNG VERURTEILT" ausgetragen. In dieser Stadt waren 3 Lager mit ungefähr 500 slowenischen Vertriebenen. Im Andenken stellten wir im Erinnerungspark eine Gedänktafel auf.
8.
Am 30. August 2007 wurde in Hamburg ein Symposium zum Thema "Germanisierung und Denationalisierung des slowenischen Folkes in der Zeit von 1941-1945" ausgetragen.
9.
Es werden auch Gespräche mit den Institutionen in Köln geführt über die Austragung einer Ausstellung und eines Symposiums. Vielleicht werden wir auch ein Begleitprogramm zusammenstellen(Filmauführung, Vorstellung des Buchs,etc.). Es laufen parallel auch Gespräche mit den Verträtern der Stadt Leverkusen über die Austragung einer Ausstellung.
10.
Wir haben zwei Filme über die Ereignise in Slowenien zwischen 1941-1945 und unsere Bemühungen für die Auszahlung der Entschädigungen gedreht.
11.
Wir arbeiten mit verschiedenen Reportern, Zeitungsverlägen, Historikern, Museen und Archiven zusammen, meist deutschen, weil heimische Institutionen kein Interesse für diese Problematik zeigen.


EINE MILLION PROBLEME IN DER HEIMAT


Es muss gesagt werden, dass wir, die Opfer des Nazifaschismus, tief über unsere Regierung, unser Parlament und unseren Staatspräsidenten entäuscht sind.
Sie haben für die Lösung unserers Problems, mit der Ausnahme leerer Versprechungen, nichts getan.

Das war auch der Hauptgrund für die Gründung dieser Vereinigung.

Nach der Gründung gab es schwere Zeiten für die Vereinigung, weil es keine Mittel gab und sich andere Organisationen gegen uns stellten.

Zuerst haben wir den Druck auf unsere Regierung, uns bei den Schadensersatzforderungen zu helfen, erhöht.
Wir haben im November 1997 einen Antrag für die Anerkennung eines Sonderstatus als Opfer eines Kriegsverbrechens für Kinder einer Kriegsweisen, die beide Elternteile im Krieg verloren hat, im Parlament mit Hilfe der ZLSD Partei eingelegt. Das sind Kinder, deren Eltern der Okkupator und seine Verbündeten getötet haben und sie deshalb alleine zurecht kommen mussten . Der Antrag wurde mit einem Gesetz angenommen und auf eine weiter Person ausgeweitet. Alles in allem war es nicht genung, aber es wenigstens etwas.
Hier zeigte sich wieder einmal wie viel ein Leben eines Nazifaschismusopfers wert ist (200.000.- SIT pro Person). Nur zum Vergleich: Jäger bekommen für einen erschossenen Hund 500.000 SIT.
Wir bemühen uns noch immer, dass der Staat diesen Menschen wenigstens eine zusätzliche Krankenversicherung finanziert.

Weil wir nach dem Gesetz für Opfer eines Kriegsverbrechens (ZŽVN), nr. 63/95 nur eine Entschädigung von (in durchschnit) 60,00€ bekommen, die man als eine s.g. Rente bezeichnet (die wir uns selber zahlen), forderten wir von der Regierung noch die Zahlung einer materiellen Entschädigung und zwar aus dem Grund, weil sie uns nicht hilft die Entschädigung von den Okkupationsnachfolgern einzufordern. Diese Forderung schickten wir im November 2001 an die Regierung und weil sich nichts veränderte, haben wir einen Gesetzesentwurf nachgeschickt.
Gleichzeitig haben wir sie gewarnt, sollte sich weiter nichts tun, werden wir eine Protestdemonstration vor ihrem Gebäude organisieren.

Weil sich noch immer nichts veränderte organisierten wir am 8.Mai 2002 eine Protestdemonstration. Die Regierung hat dann am nächsten Tag, den 9.Mai 2002, eine Komission zur Lösung dieses Problems gegründet.
Bis zum heutigen Tag wurden drei solcher Komissionen gegründet, die aber NICHTS getan haben.

Weil die Regierung auch kein Gesetz erlassen will, versuchen wir ständig Druck auf sie auszuüben, was aber nicht hilft.

Wir kamen zu der Schlussfolgerund, dass slowenische Nazifaschismusopfer minderwertige Menschen sind, die es nicht verdienen eine Entschädigung für die durchlebte Hölle zu bekommen.
Um die Entschädigung zu bekommen hilf auch nicht, dass wir es waren die nach dem Leiden inder Kriegszeit nicht nur unsere eigenen Häuser und Wohnungen wieder aufbauten, sondern auch unser LAND, unsere HEIMAT. Ohne unseren Fleiss, hätten die Behörden heute nichts, was sie vergeuden könnten.

Uns hat keine Regierung geholfen, aber die jetztige ist die schlimmste.
Es stellt für sie aber kein Problem dar, "Entschädigungen" (Ehrenpreise) für Landwehrmänner, Quislinge oder sogar Kriegverbrecher dem Gesetz nach zu vergeben. Es ist nicht einmal möglich einer Hand voll Kindern von Kriegsweisen eine zusätliche Krankenversicherung zu finanzieren, deren Eltern von den Leute getöten wurden, die heute (oder ihre Angehörigen) "Entschädigungen" (Ehrepreise) bekommen.
Es werden große Summen an Geld an irgendwelche argentinischen Heimkehrer, die 1945 geflüchtet sind, gezahlt. Warum sie geflüchtet sind, wissen sie selber!! Man will das Gesetz ZŽVN jetzt ändern, um mit Hilfe des neuen Gesetzes die Prämien für ehemalige Quislinge decken zu können.
Für uns, die 1945 züruck zu ihren verbrannten und zerströrten Heimen kamen gibt es bis heute kein Geld - EINE GROßE SCHANDE.

Für einige Menschen, die Zwangsarbeit verichten mussten, konnten wir Entschädigungen von bestimmten deutschen Institutionen einfordern, ohne die Stiftung für Zwangsarbeit (IOM).

Wir haben 5 Auszeichnungen für EHRENMITGLIEDER und 3 für BESONDERE VERDIENSTE verliehen.

Wir geben nach Bedarf auch das Informationsblatt "OPTIMIST" heraus, wo wir unsere Mitglieder über die wichtigsten Sachen informieren. Wir veröffentlichen die wichtigsten Sachen auch auf unserer Website.

Die höchste Priorität hat aber die Sorge Menschen, die Hilfe brauchen bei ihren Forderungen nach Gerechtigkeit, zu helfen.


NOCH EIN PAAR GEDANKEN FÜR DEN ABSCHLUSS:

1. Weil das Durchschnittsalter unserer Mitglieder mehr als 80 Jahre beträgt und deswegen immer größere Gesundheitsbeschwerden auftreten, die eine aktive Ausführung von verschiedenen Aufgaben nicht immer ermöglichen, treten immer häufiger Schwierigkeiten bei der Ausführung der gesetzten Aufgaben auf.

2. Insofern wir alle Aufgaben, die wir uns gesetzt haben, auch ausführen wollen, müssen wir die Arbeitsorganisation in der Zusammensetzung der Vereinigung auf einem profesionellen Niveau organisieren. Fakt ist, dass die gesetzten Aufgaben mit geschwächten Mitgliedern nicht ausführbar sind. Es wäre wircklich sehr schade, wenn man die Arbeit nach dem Programm nicht fortführen würde, weil man bisher sehr viel Energie und Mittel hineingesteckt hat. Deswegen ist eine Fortführung der Arbeit Pflicht, weil diese Arbeit die Geschichte des Leidens des slowenischen Folkes darstellt.
Dabei können wir, die das Leiden überlebt haben, diese Arbeit leiten und mithelfen. Wir können sie aber nicht mehr aktiv ausführen und deshalb benötigen wir Mittel um eine vollzeitbeschäftigte Person einzustellen, die diese Aufgaben mit unserer Hilfe ausführt.

3. Weil Kriegsverbrechen nicht verjähren, haben wir, die Opfer der Kriegsverbrechen das Recht, Entschädigung von dem Okkupator für den verursachten Schaden zu fordern und wir müssen alles daran setzen, dass auch zu erreichen, auch wenn nur ein kleiner Teil der Überlebenden diese Entschädigung bekommt.

4. Die für dieses Jahr vorgesehene Versammlung wird im Frühjahr 2008 ausgetragen und wir entscheiden dort, wie es weitergeht.
Auf jeden Fall werde ich alle meine Ämter niederlegen, weil die Zeit sich zurückzuziehen gekommen ist (17 Jahren gemeinsamer freiwilige unbezalte Arbeit auf diesem Gebiet sind genung). Ich schlage vor, sie machen sich über einen Nachfolger gedanken, der neben der IO, auch meine Arbeit weiterführt
Ich werde die angefangenen Sonderprojekte zu Ende führen.


Präsident
Tone Kristan

Kranj, dne 15. September 2007


FEIERLICHE REDE beim 10-jährigen Jubiläum der Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-1945 Kranj
Festredner : Dr. MATJAŽ KMECL


Im Bericht Ihres Präsidenten über die 10-jährige Arbeit in der Vereinigung steht mit voller Begründung geschrieben, so bitter es auch klingen mag, dass die s.g."hohe Politik" außer leehren Versprechungen nichts für Sie getan hat. In diesem Moment schäme ich mich für diese Politik und für mich selbst, weil ich Ihnen - außer meiner Solidarität nichts anderes audrücken oder gebe kann: Zusammen mit Ihren einheimischen Freunden und vor allem Ihren Freunden aus Nürnberg, Hamburg, Berlin, Marburg und Wernigerode, die lebende Zeugen dieses paneuropäischen und globalen Humanismus sind, ohne den die Welt schon lange untergegangen wäre. Alle zusammen stellen wir uns gegen diesen ruppigen Generationsegoismus, um den es bei der ganzen Sache eigentlich geht - als ob das Schicksal und das Leiden einer halb ausgerotetten, ein halbes Jahrhundert alten Generation die heutige Welt garnichts angeht. Als ob das Zeitalter mi unserer Generation anfängt und uns die Zeit all die Kriegsopfer - die gestohlenen Kinder, die KZ-Insassen, die Zwangsarbeiter und die Vertriebenen - ungerecht und lästig in unsere Welt gespült hat und sie jetzt eine Last darstellen. Als ob das nicht die große, tragische Armee der Geiseln ist, die in einer dunklen und gefährlichen Zeit ihr privates Glück aufs Spiel gesetzt hat um das heutige Europa zu schaffen. Ohne sie gebe es heute dieses Europa nicht - sie waren die tote Wache des demokratischen, netten und hoffnungsvollen Europa. Ich sehe in Ihrer Vereinigung eine Ansammlung von Menschlichkeit und Opferbereitschaft des damaligen Europa. Jetzt sind Sie leider nur noch eine Menschenmenge von Schicksalen, die mit dem Gefühl leben müssen betrogen geworden zu sein.
Was mich jedoch an der ganzen "Geschichte" erfreut, ist die unnachgiebige Solidarität Ihrer wenigen deutschen Freunde. Letzten Endes könnten sie sich auch verkriechen und sich genauso dumm anstellen wie unsere zahlreichen Landsleute, die nur die Nachkriegszeit im Auge haben und im ständigen Konkurrenzkampf stehen. Die Ausstellungen über die Vertreibung von Priestern in der Nachkriegszeit organisieren, über eine Ausstellung über die Vertreibung und Ausrottung von ein paar 100 Priestern in der Kriegszeit aber nicht einmal nachdenken; die sich Auszeichnungen und Komplimente verteilen für die Antikomunistische Zusammenarbeit mit dem Nazifaschismus; die allen weiß machen wollen, dass sie doch Kriegsopfer sind und so weiter, verkehrte Welt kann ich dar nur sagen. In einer solchen Welt kann man natürlich keine menschliche Solidarität erwarten. Deswegen ist die Reaktion der deutschen Demokraten auf Ihre Beschwerden umso wertvoller.
Vor Jahren war ich auf der Feier des Ljublej Tunnels, die im Andeken an die KZ-Arbeiter stattfand. Damals entschuldigte sich der Urenkel von Richard Wagner - unschuldig und nicht dazu verpflichtet, sondern als Humanist - als Gastredner für die Nazis. Richard Wagner war der berühmte deutsche Komponist, der Hitler und seinen Machenschaften sehr zugeneigt war. Der Urenkel nahm fast alle Schuld auf sich und wurde somit von seiner Familie verstoßen. Auf der Feier wirkte er als eine Art menschliches Licht - in etwa so, als würde man sich die Entschuldigung und das Bedauern der unschuldigen Landesführer in Rog 1991 anhören; heute schon längst vergessen und überhört - für die Politiker unbrauchbar. Ich muss gestehen, dass ich sehr gerührt war. Wie unendlich weit von den einheimischen Manieren!
Die Zeit ist meistens nicht der Gerechtigkeit zugeneigt; der Generationsegoismus macht sich die Geschichte zurecht und ordnet sie sich unter. Auch die Gerechtigkeit wird den eigenen Ansprüchen angepasst. Vor einiger Zeit hat mich ein jüngerer Kollege ganz im Ernst gefragt welcher Krieg den grausamer war, der Zweite Weltkrieg oder unser Befreiungskrieg; ich werden es wissen, weil ich beide erlebt habe. Ich antwortete ihm natürlich, dass man die beiden Kriege nicht vergleichen kann, nicht nur wegen der Zahl der Toten, der Vertriebenen, der erschossenen Geiseln und der zerstörten Dörfer, ich sagte er soll nur mal die Dauer des Krieges vergleichen, über das persönliche Leiden wollte er sowieso nichts wissen, aber ich glaube er konnte mir nicht so recht glauben. Heute schreiben Geschichte junge, unerfahrene Männer, mit einem Nebenton an Konjuktivismus und politischer Agitation. So wie eine satte Krähe einer hungrigen nicht glaubt, so glaubt die Generation des Wohlstandes nicht der Generation der Not.
Dieses ständige Generationsmisverständnis kann nur ein Generationsaltruismus überbrücken, um den Verstand und das Herz für die Mitmenschen zu öffnen. Aber wie kann man so etwas edles von Menschen erwarten, die in einer Zeit leben, in der Kapital das Geschehen beherrscht und Habgier wichter als zwischemenschliches Verständnis ist?
Wir dürfen uns niemals von den realen Idealen entfernen; wir dürfen niemals das s.g. Neuschreiben der Geschichte akzeptieren, was nur ein verschönernder Ausdruck für ihre Fälschung ist; wir dürfen Lügen nicht göblisch wiederholen, nur weil sie einer bestimmten Person nützten. Wenn das s.g. Europa auf die oben genannten Dinge eingeht, wird sie innerlich verotten - hierzu gehört auch Ihre Frage. Man darf sie nicht ignorieren. Oder wir akzeptieren gleich alle negativen, für uns schädlichen Standards. Falls das zukünftige Europa wieder auf einen falschen Weg gerät - Gott beschützte sie - ihr etwas ähnliches wie vor 75 Jahren widerfährt, dann werden wir, unsere Nachfahren, die Nachfahren des "vereinten, erfolgreichen und demokratischen" Europa die Konsequenzen dafür tragen. Europa wird erkennen müssen, dass ihr Glück so wertvoll ist, wie das Glück des am wenigsten glücklichen Bürgers - ganz nach der alten Arzt-Regel, dass der ganze Organismus so wertvoll ist, wie sein schwächstes Glied - locus minoris resistentiae.
Mit einem Wort, ich bin mit Ihnen; ich bin solidarisch mit Ihren Bemühungen und wünsche Ihnen viel Erfolg; das ist alles was ich Ihnen geben kann.


REDE und ÖFFENTLICHES DANKESCHÖEN
von Frau ROSA FAVA aus Neuengamme (Hamburg)


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein kann, um an diesem denkwürdigen und auch etwas traurigen Jubiläum teilzunehmen - eigentlich sollte eine Vereinigung von Opfern, die Entschädigungen und Annerkennung der gegen sie begangenen Verbrechen einfordert, keine zehn Jahre existieren müssen. Gerade weil der Anlass aber wenige erfreulich ist, ist es besonders wichtig, dass man sich durch Besuche gegenseitig kennen lernt: Sie hier in Kranj und aus anderen Orten in Slowenien können sich besser vorstellen, welche Menschen das sind, die mit Ihnen gegen die Arroganz und Ungerechtigkeit der deutschen Regierung vorgehen; und für uns aus Deutschland ist es wichtig, Gesichter und Geschichten zu sehen und zu hören, die hinter den für uns abstrakten historischen Verbrechen stehen, damit wir mit unseren Forderung auch wirklich Ihre Anliegen vertreten.

‚Wer ist das eigentlich?', fragen sich sicherlich viele. Deshalb will ich kurz erläutern, wie ich zu der Združenje Žrtev Okupatoriev gekommen bin: Als ich im Sommer 2003 für die neue Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme über die Häftlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien forschte, bin ich im Internet auf die Seiten der ZŽO gestoßen und damit auch auf die Germanisierungspolitik der Nationalsozialisten, die mir vorher unbekannt war. Auf meine Frage, ob ich Informationen bekommen könnte, habe ich ganz schnell eine ausführliche Antwort bekommen. Es ergab sich die Möglichkeit, im Oktober nach Slowenien zu fahren, um Gespräche zu führen mit den ehemaligen Neuengamme-Häftlingen Nada Verbiè, Stane Tušar und Miloš Poljanšek. Auf dieser Reise hat Tone Kristan sich sehr fürsorglich um mich gekümmert: er stelle den Kontakt her zu den genannten Personen, er versorgte mich mit vielfältigem Material und erzählte mir von der Arbeit der Vereinigung der Okkupationsopfer und er fuhr mit mir an die Orte des Leidens und der Verbrechen: nach Begunje in das ehemalige Gestapogefängnis, nach Brestanica, das Kloster, das von den Nazis als Sammellager benutzt wurde, und an die Gedenkstätte auf der slowenischen Seite des Ljubelj, wo das Außenlager des KZ-Mauthausen gelegen hatte.

Auch nach dieser Reise blieben wir in Kontakt und so kam es, dass Tone Kristan im April 2005 in Berlin an einer Konferenz teilnahm, die der ak distomo organisiert hatte und an der Vertreter von Opferverbänden aus Griechenland, Polen, Italien und Serbien teilnahmen. Der arbeitskreis distomo ist eine Gruppe aus Hamburg, die sich zunächst einsetzte für die Forderungen nach Entschädigungen von Menschen aus dem griechischen Dorf Distomo, in dem die Nationalsozialisten 218 Personen ermordeten und das Dorf niederbrannten. Der Arbeitskreis erweiterte bald seine Unterstützung - auf juristischer Ebene, durch Öffentlichkeitsarbeit, durch politische Aktionen - auf Opfer von anderen Massakern in Griechenland und in Italien und stellt auch allgemein die Forderung nach Entschädigung aller nationalsozialistischen Verbrechen sowie nach Strafverfolgung der Täter, da die deutschen Behörden oft untätig blieben und bleiben.

Wir denken nicht, dass mit der Beendigung der Arbeit der Stiftung "Erinnerung Verantwortung Zukunft" die Schuld, Verantwortung und Pflicht der Bundesrepublik Deutschland als Nachfolgestaat des "Dritten Reiches" abgegolten, getilgt oder auf andere Art erledigt ist. Das Stiftungsgesetz erfasste viele Personengruppen gar nicht und viele Kategorien von Verbrechen auch nicht - das wissen Sie selbst am besten. Die zur Verfügung stehenden Summen waren zu klein und stehen in keinem Verhältnis zu dem Gewinn, den die Nationalsozialisten aus ihren Verbrechen zogen und von dem auch die BRD und die DDR letztendlich profitierten. Die Entschädigung wurde ausdrücklich als humanitärer Akt verstanden, nicht als Verbindlichkeiten, die sich aus dem begangenen Unrecht ergeben - das sehen wir anders und denken, es ist noch Zeit, Fehler zu korrigieren. Dass unsere Position nicht dem allgemeinen Konsens in der deutschen Gesellschaft entspricht, können Sie sich denken.

Mich hat ein Satz von Tone Kristan sehr beeindruckt: "Wenn wir damals nicht da waren, brauchen wir heute auch nicht kommen", sagte er zu den Partnern in Wernigerode, die bereit waren, eine Gedenktafel aufzustellen und eine Veranstaltung mit ehemaligen Deportierten zu machen, die aber partout keine Lager finden konnten in der Stadt, in der die Slowenen und Sloweninnen gewesen waren. "Wenn wir damals nicht da waren, brauchen wir heute auch nicht kommen!" Dieser Satz ist so witzig, weil er so klug ist und in wenigen Worten mit ironischer Schärfe das Dilemma der aktuellen deutschen Gedenkpolitik zum Ausdruck bringt: Man will erinnern und steht zu seiner Schuld, aber abstrakt und symbolisch. Nicht konkret, nicht zu genau. Es gab Lager in Wernigerode, aber wo sie genau waren, soll nicht so wichtig sein. Das könnte manche Menschen peinlich berühren.

Ich will nicht die Partner in Wernigerode schlecht machen, die am Ende viel geleistet haben und auch - mit Hilfe von Ihnen - die Standorte der drei Lager schließlich gefunden haben. Die Reaktion in Wernigerode ist aber beispielhaft für die deutsche Politik: Die Bundesrepublik ist Weltmeisterin und fast schon Exportnation im Gedenken: Mahnmale und Gedenkstätten und Museen werden gebaut, Ausstellungen gemacht, Bücher, Filme, CDs, DVDs und Internetseiten produziert, die die Verbrechen dokumentieren, wie es sonst aus keinem Land und bei keinem Verbrechen jemals geschehen ist. Es gibt nationale und internationale Gedenktage, an denen die höchsten Politiker/innen zur deutschen Verantwortung stehen. Außenpolitisch sieht es jedoch anders aus: nicht die ehemaligen Opfer können bestimmen, dass die Bundesrepublik nur Teil eines zusammenwachsenden Europas sein darf, wenn es seine Schulden begleicht, sondern Deutschland diktiert, welche Vorgaben erfüllt sein müssen, damit eines der ehemals überfallenen und besetzten Länder Mitglied der EU werden darf. Und wenn es konkret wird und wenn es um die juristischen und finanziellen Konsequenzen der Verbrechen geht, ist es mit der offiziell verkündeten Verantwortung allzu oft vorbei. Die Združenje Žrtev Okupatoriev hätte nicht gegründet werden brauchen und müsste nicht unablässig sämtliche deutsche Institutionen anschreiben und besuchen, wenn es anders wäre.

Wir vom ak distomo bewundern Ihren Einsatz und haben große Wertschätzung für das, was Sie in den zehn Jahren geleistet haben: in sechzig Jahren hat niemand in Deutschland so viel getan wie Sie! Dabei müssen Sie auch noch gegen Widerstände in der eigenen Gesellschaft und seitens slowenischer Politiker angehen. Wir können Ihnen nur unsere Hochachtung ausdrücken!
Heute bin ich hier, um eine Ehrung entgegenzunehmen - ich beziehe diesen Akt der Dankbarkeit und Wertschätzung aber auch auf alle meine Freunde und Freundinnen im ak distomo - leider konnten andere Mitglieder nicht zu dieser Feier anreisen -, ohne die ich nur einen Bruchteil dessen hätte tun können, was wir jetzt mit Ihnen zusammen realisieren wollen: Wir wollen einen Dokumentationsfilm machen und wir wollen Ihre Ausstellung nach Hamburg in die KZ-Gedenksätte Neuengamme bringen und das mit einem pädagogischen Projekt, einer Begegnung von Jugendlichen in Hamburg mit ehemaligen Deportierten, verbinden. Hoffentlich gelingt uns das gemeinsam und hoffentlich sehen wir uns das nächste Mal nicht wieder zu einem "Jubiläum" wie heute, sondern aus einem freudigeren Anlass. Vielen Dank.